Das Wafeln
An der Ostsee ist der Glaube verbreitet, man könne den Schiffbruch, das Stranden, selbst das Ertrinken von Menschen aus einigen Vorzeichen oftmals vorhersehen.
Gefährdete Schiffe spuken einige Tage oder Wochen an dem Ort, wo sie später verunglücken werden. Dunkle Luftgebilde zeigen sich von allen Teilen des Schiffs, Rumpf, Tauwerk, Maste, Segel. Aber auch künftig ertrinkende Menschen, ersaufendes Vieh, dem Untergang geweihte Orte und bald abbrennende
Häuser sind in diesen unheimlichen Nebeln zu erkennen.
Solche Erscheinungen werden
wafeln genannt. Ein bestimmtes Schiff wafelt oder ein Fischer wafelt.
Sonntags kann man ein besonderes Wafeln sogar hören: Es klingen unter dem Wasser die Glocken versunkener Städte.
Woher das Fischland kam
Vor vielen, vielen Jahren, tobte ein heftiger Sturm und die Ostsee bäumte sich auf wie ein wildes Tier, gegen die Ufer einer dänischen Insel. Es riß ein großes Stück Land ab und trieb übers Wasser. Zwischen Dierhagen und Darß versperrte es den Ribnitzern und der Recknitz den Zugang zum Meer und bildete fortan eine Brücke zwischen Festland und Darß. Fischland nannte man das fremde Land.
Ein Schloß soll dort gestanden haben, bewohnt von einer Prinzessin. Auf dem Dierhäger Feld sei die Stelle zu finden, so wird gesagt, an der es sich erhob.
Der Kirchhügel von Wustrow
Die Kirche von Wustrow steht auf einem Hügel, über dessen Entstehung man sich
erzählt:
Einst kam bei Nacht ein weißer Riese dahergeritten, auf einem prachtvollen weißen Ross. Dieser Riese, den Einige für den mächtigen Gott
Svantevit halten, hub mit bloßen Händen, große Mengen Erdreichs aus und türmte damit den Kirchhügel auf. Sein stattlicher Schimmel, half ihm dabei mit seinen Hufen. Wie ein feuerspeiender Vulkan, schleuderte der Wunderhengst die Erdbrocken heraus, in Richtung der wachsenden Erhebung. Die zurückbleibende Senke, woher Ross und Reiter den Boden genommen haben, kann heute jedermann sehen.
Als dieses Werk vollbracht und die Nacht noch jung war, verspürte der Recke weiteren
Tatendrang und zog gegen seine Feinde zu Felde. |